Monster Poems

Zum Gedichtsband von Nora Gomringer

Schauderhaftes Säuseln, das Nora Gomringers Stimme so eindringlich zu durchdringen vermag, dass man regungslos den Worten lauscht. Kalt. Unsichtbarer Schrecken macht sich breit. Wie die Monster in ihren Gedichten. Schließlich dreht sich in ihrem ersten monothematischen Buch (mit begleitender Audio CD) „Monster Poems“ alles um eben diese.

Bekannte Spukgestalten der Geschichte – non-reale Wesen aus Film und Fernsehen werden gepaart mit echten Monstern der Menschheitsgeschichte – anhand derer die Sprachakrobatin nicht die Augen verschließt vor der inneren Hässlichkeit des Menschen. Die Monster im Menschen. Zurückversetzt in kindliche Stunden, in denen man, bibbernd vor Angst, sich unter der Bettdecke verkrochen hat.
Wie allerdings typisch für Nora Gomringer wird viel mit  Wortwitz und Sprachspielereien hantiert, die einem trotz der Thematik ein kleines Schmunzeln abgewinnen.
Was übrig bleibt ist monströs, ist Faszination Monster.
Verziert werden die Gedichte mit ebenso schaurigen Illustrationen des Bamberger Grafik-Designers Reimar Limmer, die zusätzlichen Interpretationsspielraum gewähren. Mit der beigelegten Audio CD, die Gomringer selbst eingesprochen hat, wird das Werk noch multimedial erweitert, so dass man sich einen audio-visuellen Gesamteindruck von den monsterhaften Gedichten verschaffen kann. Ein Gesamteindruck der sich lohnt, macht sich doch erst so die wahre Natur des Schauderns breit, denn gerade ihre Vortragsweise der Gedichte – und da merkt man ihr ihre langjährige Erfahrung als Poetry Slammerin an – hat sie doch in den frühen 2000ern viel und aktiv die Szene in Deutschland mitgestaltet – trägt zur Stimmung bei. Ihre Gedichte sind wie kleine Spritzen und das nicht nur in ihrem Buch „Monster Poems“, sondern in ihren gesamten Werken bemerkt man die Nadelstiche, die sie geschickt zu setzen weiß und somit zielgenau den Leser da trifft, wo sie treffen will. Keine übertriebene Theatralik. Lakonisch leichtfüßig haucht sie Leben in ihre Zeilen und beeindruckt ebenso mit ihren auditiven Darbietungen, die teilweise vom gesprochenen leben, wenn man sich als Beispiel „Ursprungsalphabet“ vergegenwärtigt.