Soundclown- Comedy der Musik?

Soundcloud? Soundclown? Loud sound? Mal schau’n…

So viel zu meinen ersten Assoziationen, als ich von dem Begriff Soundclown hörte.
Dieser Begriff als solches ist mir bisher so nicht unter die Ohren gekommen und doch klingt er nicht fremd. Trennt man diese Wortkonstruktion auf, so ergeben sich die Begriffe Sound und Clown.
Sound: Ein Begriff mit dem wir alle Arten von Klänge und erzeugten Tönen benennen.
Clown: Eine Figur aus dem Zirkusbereich welche die Leute mit lustigen Inszenierungen zum Lachen bringen soll.

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Monster Poems

Zum Gedichtsband von Nora Gomringer

Schauderhaftes Säuseln, das Nora Gomringers Stimme so eindringlich zu durchdringen vermag, dass man regungslos den Worten lauscht. Kalt. Unsichtbarer Schrecken macht sich breit. Wie die Monster in ihren Gedichten. Schließlich dreht sich in ihrem ersten monothematischen Buch (mit begleitender Audio CD) „Monster Poems“ alles um eben diese.

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„Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ von Kleist bis Warhol und zurück

Als Dramatiker, Lyriker und Schriftsteller verfasste Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist (*1777) zahlreiche Werke. Dazu gehört auch sein Brief „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“, den er an Otto August Rühle von Lilienstern verfasste.
Darin geht es um die Methode, seine Gedanken durch ein lautes Aussprechen neu strukturieren zu können. Komme man mit Meditation nicht weiter, so solle man mit dem nächstbesten Bekannten über seine Gedankengänge sprechen.

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„Unknown Pleasures“ vs. „Closer“

Die zwei Joy Division-Meilensteine im Vergleich

Ian Curtis, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris aus Manchester prägten die bis heute nachhallende Post-Punk-Bewegung wohl nachhaltiger als jede andere Band – und das mit nur zwei Studioalben. Die beim legendären Label Factory Records veröffentlichten Werke „Unknown Pleasures“ und „Closer“ gelten als Hauptwerke des Genres.

Gerade mal 13 Monate trennen die Veröffentlichungstermine beider Platten. Es sollten die zwei größten Relikte einer rasanten Karriere werden, die mit dem Freitod von Sänger Ian Curtis bereits 1980 ein jähes Ende nahm.

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„Everyone comes out in repeating“

Symptome und Folgen der Repetition eruiert anhand des Stilmittels Gertrude Steins

„Repeating then is in every one, in every one their being and their feeling and their way of realizing everything and every one comes out of them in repeating. More and more then every one comes to be clear to some one.“

Als hätte sie es bereits vorausgeahnt und wollte den späteren Kritiken ihres literarischen Werkes den Wind aus den Segeln nehmen spricht Gertrude Stein bereits im ersten Abschnitt des Auszugs aus ihrem Werk „Making of Americans“ eine Erklärung, fast schon eine Art Rechtfertigung über die Eigenart ihres Stilmittels aus: „ Slowly every one in continous repeating, to their minutest variation, comes to be clearer to some one.“

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Hat der Soul seine Seele verkauft?

Wandlung der Zeit

Im Kölner Stadt Anzeiger erschien am 13. Januar 1968 ein Zeitungsartikel mit der Überschrift „Sie verkaufen ihre Seele“ von Gordon Mannsfeld. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Genre Soul, der zu dieser Zeit von Amerika über England und Frankreich nach Deutschland schwappte. ->Link zum Zeitungsartikel

„Religiös, aber nicht Religion, Spiritual und Gospel, aber nicht geistlich, keineswegs Kanzelmusik – aber dem guten alten Blues auf die Finger geschaut“, so wird der Jazzexperte Jens-Joachim Jensen in dem Artikel zum Thema Soul zitiert.

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Verschwende keine Wörter

Wörter wurden mit Sicherheit nicht verschwendet, im New-Wave-Song „Verschwende deine Jugend“ der Düsseldorfer Electro-Pioniere DAF. Um die textliche Quantität, die nicht weit über „Nimm dir was du willst“ hinausgeht, zu erweitern, kann man jetzt auch die Basslinie des Stückes lesen! Und zwar als Computercode.

Mit der Open- Source-Sprache SuperCollider können musikalische Strukturen als Code ausgedrückt und interpretiert werden. DAF’s New-Wave Klassiker liest sich dann so. Und wer sich nicht selber das Programm downloaden möchte, kann sich hier auch das Ergebnis anhören und natürlich mitlesen!

10 Bandnamen / Albumtitel, die einmal Bücher waren

In dieser kleinen Sammlung möchte ich zehn zufällig ausgewählte Beispiele von Bandnamen bzw. Albumtiteln aufführen, welche zuvor bereits als Titel von Romanen in die Literaturgeschichte eingegangen sind. Ich habe einfach mal solche Titel erfasst, die mir auf Anhieb eingefallen sind – die Liste ließe sich bei eingehender Recherche ohne weiteres um zahlreiche Beispiele erweitern (Kommentare mit weiteren Beispielen sind willkommen!)…

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A Stairway To Jingle Hell

A Stairway To Jingle Hell – Teil 1, 12:43 Minuten

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Sprechen und Schreiben über Musik entstand eine fiktionale Hörfolge, die unter Verwendung verschiedener Musikstücke und -zitate aus dem Bereich der populären Weihnachtsmusik dafür eigens produziertes Material der Studenten zu einem radiotauglichen Format integrieren sollte.

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Order From Noise – eine Lecture Performance im Rahmen der Resonanzräume

Resonanzräume – www.resonanzraeume.com – Gestaltung: Marius Obiegala

Logo der Reihe Resonanzräume – Gestaltung: Marius Obiegala

Order from Noise – Hörspielfassung der Lecture Performance von Till Freese, Roland Nebe und Léa Perraudin im Rahmen der Reihe Resonanzräume am 02.02.2012 im Salon des Amateurs, Düsseldorf.

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Konzertreview: Music at Studio One – Deine Mutter findet unsern Hit Tight

Deine Mutter findet unsern Hit Tight - Music at Studio One

Plakat: Deine Mutter findet unsern Hit Tight – Music at Studio One

Was soll ich noch groß sagen
Das hier ist kein Hippie-Hop
Dieses Lied, das ist ein altes Lied
Antik, aber ich hat halt Bock.

Dieses Zitat aus ihrem Song Fortschritt beschreibt die Einstellung der Band Deine Mutter findet unseren Hit Tight recht treffend. Ihr ursprünglicher Plan war es, Hiphop komplett auf akustischen Instrumenten zu machen. Mit der Zeit entdeckten die vier Jungs jedoch, dass ein gewisser elektronischer Einfluss nicht nur mehr aus ihrer Musik herausholen konnte, sondern auch ihren Workflow vereinfacht.

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Ich liebe es, wie du die Lippen bewegst zu den Worten, die aus deinem Mund fallen.

Ich liebe es, wie du die Lippen bewegst zu den Worten, die aus deinem Mund fallen.

Ich liebe es, wie du die Lippen bewegst zu den Worten, die aus deinem Mund fallen.

Sieben Fragen an Michael Lentz zu „Ferdinand Kriwet – Rotor“

Für den Bayrischen Rundfunk produzierte Michael Lentz 2011 das Hörspiel „Ferdinand Kriwet – Rotor“. Als Ausgangsmaterial sprach er Kriwets komplette Textvorlage „Rotor“, 1961 im Kölner DuMont Verlag erschienen, ein. Für den Musik und Text Blog beantwortete Lentz nun sieben Fragen.

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Ich wünschte, ich hätte was vernünftiges zu Essen im Kühlschrank.

Ich wünschte, ich hätte was vernünftiges zu Essen im Kühlschrank.

Ich wünschte, ich hätte was vernünftiges zu Essen im Kühlschrank.

DVD: Ernst Jandl – Das Öffnen und Schließen des Mundes

Ernst Jandl

Ernst Jandl

Ernst Jandl – Das Öffnen und Schließen des Mundes – Frankfurter Poetikvorlesungen 1984/1985 (2xDVD, 263 min)
Mit einem Beiheft und Anmerkungen von Johannes Ullmaier
Filmedition Suhrkamp – fes17
ISBN: 978-3-518-13517-4

Menschen, die Ernstes humorvoll zu vermitteln wissen, sind rar. Als bedeutenster deutschsprachiger Dichter der Konkreten Poesie beherrschte der Österreicher Ernst Jandl (1925 – 2000) diese Kunst in Perfektion.

Davon zeugt die in der Filmedition Suhrkamp erschienene Doppel-DVD-Box „Das Öffnen und Schließen des Mundes“, die Jandls Poetikvorlesungen an der Frankfurter Goethe-Universität 1984/1985 dokumentiert.

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Macht des Schlecksalz

Macht des Schlecksalz

Macht des Schlecksalz

John Cage: Ein Komponistenporträt von Peter Greenaway

Peter Greenaway – Four American Composers (2xDVD, 220 min)
1983 Mystic Fine Video / Absolut Medien
ISBN: 978-3-89848-813-6

Der renommierte englische Autorenfilmer Peter Greenaway gibt in seinem Komponistenporträt über John Cage einen sehr guten Einblick in die Kunst der aleatorischen Musik in der Praxis. John Cage, geboren 1912 in Los Angeles und gestorben 1992 in New York, gilt als einer der Ahnherren der Geräuschmusik, oder auch noise music genannt. In seinem kompositorischen Schaffen ist die Unbestimmbarkeit oder die Unvorhersehbarkeit eines der wichtigsten Elemente.

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Das ist kein Versuch von Tiefsinnigkeit – das ist einfach nur kein volles Glas Bier.

Das ist kein Versuch von Tiefsinnigkeit - das ist einfach nur kein volles Glas Bier.

Das ist kein Versuch von Tiefsinnigkeit - das ist einfach nur kein volles Glas Bier.

Album: Hans Nieswandt – Hans is playing House

Hans Nieswandt

Hans Nieswandt

Various – „Hans is playing House – 14 Remixe von Hans Nieswandt“ (2xLP, CD)
2011 Bureau B (BB081)

Die Arbeit des Kölner DJs und Autor Hans Nieswandt (*1964, Mannheim) steht seit Beginn seiner Karriere im Spannungsfeld zwischen Musik und Text.

Nieswandt vermittelt in seinen Artikeln für die Zeit, taz sowie die Musikmagazine Spex, Groove und Intro musikalische Themen mit Schwerpunkt Clubkultur. Seine Buchveröffentlichungen zwischen Biographie („Plus Minus Acht“), Reisebericht („Disko Ramallah“) und Roman („DJ Dionysos“) beleuchten die verschiedenen Facetten seiner Tätigkeit als DJ mit zahlreichen Anekdoten.

Außerdem lebt insbesondere der Überraschungserfolg „From Disco to Disco“, den er 1997 mit seiner Gruppe Whirlpool Productions produzierte, mit den von Eric D. Clark gekonnt dahingeschnodderten Lyrics von einer starken, eigenwilligen Textebene.

Dieses Selbstverständnis im Umgang mit Text prägt auch Hans Nieswandts neue Remix-Platte „Hans is playing House“. Denn die auffälligste Klammer, die die 14 Tracks des Albums verbindet, ist Nieswandts Arbeit mit den Vocals und Textsamples des Ausgangsmaterials.

Den Track „Körper“ des Indie-Elektronik-Songwriters Jens Friebe reduziert Nieswandt auf eine einzige, fantastische Textzeile („Du gehst dir durchs Haar, aber Sie interessiert sich gar nicht richtig für dich“), die er über einem quirligen E-Piano und einem treibenden Xylophon-Pattern immer wieder neu zusammensetzt („Du gehst, Sie interessiert sich“). Aus dem Stück „LCD is playing at my House“ der Hamburger Knarf Rellöm Trinity samplet sich Nieswandt die freche Titelhymne des Albums zusammen, „Hans is playing House“. Und Universal Gonzales‘ Song „Verkaufen“ belohnt er für großartige Zeilen wie „Das Haus versackt in seinen eigenen Träumen“ mit perfekt shuffelndem Bossa-House.

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