Die Platte Nothing Here But The Recordings von William S. Burroughs

„Virtually all of Burroughs ́s writing was done when he was high on something“-
wer Burroughs ́ Biographie nachvollziehen möchte, kann dies mittels weniger Klicks tun
- und stößt dabei bald auf seine verschiedenen Wege der Intoxikation.

Was ist nötig, um eine künstlerische Äußerung eines Musikers, Schriftstellers, Malers etc.
zu empfinden, anstatt zu versuchen, zu verstehen, wo es kein Verstehen gibt?

Es wäre einfach, schlusszufolgern, um Bukowski oder Dexter Gordon zu empfinden, solle man sich hart besaufen, Chet Bakers Musik verlange nach Heroin, der Rauch von zig Schimmelpennincks sei Grundlage fürs Lesen der Werke Paul Austers oder ein Marathonlauf für die Murakamis.
 Ich stelle mir vor: Ich begebe mich betrunken oder bekifft, sieges- oder liebesberauscht in die aktuelle Ausstellung des Folkwang Museums Essen (“Im Schatten der Avant Garde”) und bekomme mehr für mein Eintrittsgeld (fünf Euro für Studenten!) als im nüchternen Zustand – der Zweck heiligt die Mittel.

Wie kann ich mich William S. Burroughs ́s Album “Nothing here now but the Recordings” empfindend aussetzen?
 Nothing Here Now But The Recordings (Industrial Record, 1980) ist eine Kompilation aus Burroughs ́s privatem Nachlass, zusammengestellt von Genesis P-Orridge und ‚Sleazy‘ Peter Christopherson.
Möglich, dass es ein Zuviel an Wissen gibt, das dem Empfinden im Weg steht-
ähnlich, wie die Biographie eines Menschen vor allem posthum interessant bzw relevant wird. Man versuche demnach, sich zu entblockieren, um sich unbefangen einer Äußerung auszusetzen – und auch, um sich zu äußern. Auster tut dies mittels Rauchwaren, Bukowski und Dexter tranken reichlich, Burroughs versuchte verschiedenste Methoden, Murakami rennt – vom Genannten wäre ersteres eine relativ harmlose und letzteres wohl die gesündeste Art.
Burroughs ́s Stimme klingt und singt wie die eines Hohepriesters, der mit abgeklärer Autorität Hokuspokus in eigener Liturgie wie eine absonderliche Variation einer Messe rezitiert und jedem seiner Worte durch aufgesammelte Geräuschfetzen eine Tonnenschwere verleiht.

Nach Ende dieser Messe wird seine Gemeinde zwar nichts von alledem begriffen haben- die Liturgie in fremder Sprache nimmt schließlich jede Möglichkeit dazu.
Dafür trägt sie vielleicht noch eine Weile lang einen Nachhall mit sich, der sie bald dazu bringt, diese fremde Liturgie noch einmal nicht zu verstehen.

(1) Barry Miles, “Call me Burroughs” (Twelve)

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