Verstimmte Melancholie (Grouper – „Dragging the Streets“)

In ihrem Soloprojekt Grouper entwickelt die amerikanische Sängerin Liz Harris seit dem Jahr 2005 eine spezielle und eigene musikalische Sprache. Mit der Hilfe von Tape-loops und verschiedensten Effektgeräten erschafft sie eine Welt, die auf den ersten Moment vor allem düster und kalt wirkt, aber mehr verbirgt.

Aufgewachsen in einer kalifornischen Kommune die sich selbst als „The Group“ bezeichnete, begann Harris sich bereits in jungen Jahren mit der eigenen Identität und dem damit verbundenen künstlerischen Ausdruck zu beschäftigen. Diese Erfahrung prägte sie so sehr, dass sie heute unter dem Künstlernamen „Grouper“ veröffentlicht.

Hört man ihren Song „Dragging the Streets“ zum ersten Mal, überkommt einen zunächst ein beklemmendes und unbehagliches Gefühl. Man hört den Sound einer befahrenen Straße, dazu ein Klavier. Es klingt alt und verstimmt und so erinnert der Anfang eher an die Tonspur eines 50er Jahre Films als an einen Song. Nach und nach überlagern sich weitere, stark modulierende Klavier- und Gitarrensounds und vermischen sich mit der zarten Stimme Harris‘ zu einem seichten, schwebenden Klangteppich. Der zweistimmige Gesang sticht als einziges Element heraus, ist jedoch kaum zu verstehen. Ihre Stimme ist fragil und passt dadurch perfekt zu den brüchigen Gitarrenphrasen.

Wie in fast allen Werken Harris‘ fehlen jegliche rhythmische Elemente. So bekommt die Musik trotz ihrer emotionalen Schwere ein gewisse Leichtigkeit. Auch die Monotonie, sowie die nicht vorhandene Dynamik verstärken diesen Eindruck. Nahezu hypnotisch wirken die sich immer wiederholenden Fragmente und ziehen den Hörer so in die emotionale Welt der Sängerin hinein. Wenn man gerade denkt die Musik baue sich zu einer neuen Geschichte auf, enden die Songs jedoch meist abrupt.

Insgesamt bewegt sich Groupers Werk zwischen obskurer Elektronik und ambientartiger Singer-Songwriter Ästhetik und kreiert dabei eine Atmosphäre die trotz ihrer Melancholie auch eine beruhigende und entschleunigende Wirkung besitzt. Gedanken des Alltags verschwinden und es bleibt nur die hauchende Stimme Harris‘.

Von Todor Manojlovic und Jannis Hannover

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